Kristiina, Du wirst immer bei uns sein!

Dieser Artikel ist in Gedenken an Kristiina. Er ist sehr ausführlich und aus meiner Sicht. Denn er soll auch eine Erinnerungshilfe für mich sein. Wenn Du meine persönlichen Gedanken dazu nicht lesen möchtest, dann solltest Du diesen Beitrag nicht lesen. Vielen Dank.

Ich habe Kristiina Anfang 2010 kennen gelernt. Sie kam hier nach Zypern und hat erst einmal bei einem gemeinsamen Freund gewohnt. Sie haben sich eine Wohnung geteilt, um beide kosten zu sparen. Sie kam auch mit ihrer kleinen, einjährigen Tochter Iris. Warum und wieso sie hier her gekommen ist, das hat sie nie genau verraten. Um mal etwas von der Welt zu sehen, hat sie gesagt.

Wir haben uns schnell näher kennen gelernt. Das war auch nicht schwer, bei ihrer Aura. Man hat sie auf den ersten Augenblick gemocht. Nicht nur ich. Ich kenne keinen Menschen der sie kennen gelernt hat und nicht gemocht hat.
In der Zeit war ich dann recht oft bei meinem Freund und natürlich Kristiina. Eigentlich vor allem wegen Kristiina. Ich habe es nicht gleich begriffen, aber ich hatte mich sofort in sie verliebt.

Sie war eine bildhübsche Frau. Wunderschöne lange, blonde Haare, strahlend blaue Augen, ein Lächeln das so ehrlich und aufrichtig war – wie kaum ein anderes und eine wunderschöne Figur. Natürlich hatte Sie auch, wie alle Frauen, hier und da ihre Problemzonen bemängelt. Aber im Grunde hatte sie gar keine.
Mehr aber noch als ihr Aussehen hat ihr Charakter überzeugt. Ich habe nur selten vorher einen Menschen mit einem solch gutmütigen Charakter getroffen. Natürlich kenne ich sehr viele gute Menschen. Aber Kristiina war etwas ganz besonderes. Sie war so aufrichtig, immer freundlich und nett, immer hilfsbereit und sie hat immer alles gegeben.

Schon kurz nach ihrer Ankunft auf Zypern hatte Sie arbeit in einer Saftbar direkt gegenüber der Wohnung. Sie arbeitete hier unmögliche Stundenzeiten und für wenig Geld. Natürlich hat sie darüber geschimpft, wer würde das nicht. Aber sie hat den Job gemacht. Und soweit ich weiß sehr gut.
Ich war nur einmal auf einen Smoothie dort. Christoph und ich haben danach noch ein wenig in der nähe ihrer Saftbar „rumgelungert“ und nach Frauen Ausschau gehalten. Ich weiß noch das ich nur in ihre Richtung schauen konnte. Das ist irgendwie bei ihrem Chef angekommen und er hat sie dafür gerügt, dass ihre Freunde dort länger rumstehen als nötig (wobei an dem Tag dort nichts los war). Was für ein Honk, dafür konnte sie ja nichts. Wir waren dann lieber nicht mehr dort, damit sie nicht noch mehr Ärger bekommt.
Sie hat es uns natürlich auch erzählt. Schon in einem ernsten Ton, aber selbst der klang noch freundlich und lieblich. Ich glaube sie konnte nicht wirklich böse auf jemanden sein.

Aber privat haben wir uns viele male getroffen. Meistens abends, wenn Kristiina Feierabend hatte und die Kinder (mein Freund hat auch eins) im Bett waren. Dann saßen wir lange auf dem Balkon, haben Wein getrunken und geredet oder auch mal geschwiegen oder Musik gehört. Sie liebte es Musik aus ihrer Heimat zu hören. Smilers zum Beispiel. Die Band passte sehr gut zu Ihr. Vom Namen her definitiv und die Musik scheinte sie zu mögen. Dann hat sie mit Christoph immer laut mitgesungen und manchmal auch getanzt.
Manchmal hat sie auch komische Geräusche gemacht. Ich kann nicht mal beschreiben wie sie klangen. Aber sie liebte es… und sie machte es. Es war ihr egal ob jemand sie dafür komisch angeguckt hätte. Sie war dabei immer glücklich. Sie war eigentlich immer glücklich, immer am grinsen oder lachen.
Sie war so voller Lebensfreude wie ich es noch bei keinem Menschen gesehen habe. Ich glaube das ist es gewesen. Diese Lebensfreude, die sie so einzigartig gemacht hat. Sie hat ihre Freude gelebt und andere dabei mit angesteckt. Und das machte sie zauberhaft.

Wenn mein Freund dann im Bett war, dann blieben wir manchmal noch eine weile draußen und redeten allein weiter. Manchmal redeten wir auch nicht mehr und hielten einfach nur Händchen oder Küssten uns. Es war ein wundervolles Gefühl sie zu streicheln und von ihr gestreichelt zu werden. Am Kopf, im Nacken oder an den Armen. Ihre Berührungen waren wie Balsam für die Seele. Wie die Berührungen eines Engels. Ich habe mir immer gewünscht das sie nie aufhören würde damit.
Geküsst haben wir uns eher selten. Das Gefühl war natürlich noch viel intensiver. Sie war eine sehr gute Küsserin.

Ich habe auch des Öfteren dort übernachtet, wenn ich nach viel Wein und mitten in der Nacht nicht mehr fahren konnte und wollte. Ihr Zimmer hatte noch ein freies Bett, in dem ich es mir gemütlich machen durfte. Sie hat mit ihrer Tochter immer ein Bett geteilt.
So sind wir auch nie intim geworden. Aber das war ok. Sie war im Bett nebenan und das war schon ein wundervolles Gefühl. Ihr einen Gute-Nacht-Nacht Kuss zu geben (bei dem Sie immer Gegrinst hat) und morgens manchmal einen Gute-Morgen-Kuss… wenn ich schnell genug war. Und immer gab es dabei von Ihr ein zufriedenes Lächeln.

Wir sprachen natürlich auch über Beziehung. Doch eine Beziehung wollte sie nicht. Sie sagte immer dass sie im Moment keine Gefühle habe. Allgemein, für wenige Sachen. Nicht nur in der Liebe. Ich habe sie gefragt warum. Was sie damit meine und wieso nicht. Aber sie konnte es mir nicht erklären. Ich glaube sie wollte es mir nicht sagen. Aber ich wollte auch nicht weiter danach fragen und sie bedrängen. Und habe es dabei gelassen.
Außerdem wolle sie ja bald wieder nach Estland zurückgehen. Da hätte das ja keinen Sinn jetzt eine Beziehung anzufangen, meinte Sie.
Mir wäre es egal gewesen. Für Kristiina wäre ich bis an das ende der Welt gezogen.

Ich war gern bei ihr. In Kristiina‘s nähe war alles schlechte Vergessen. Schon wenn wir uns sahen haben wir uns gegenseitig angegrinst und alles war schön. Das hört sich kitschig an. Aber es war wirklich so. Ihr lächeln hat die Sonne scheinen lassen. Da kannst Du jeden fragen der Kristiina kannte. Und ich kann mich an kein einziges mal erinnern dass sie nicht gelächelt hat. Nicht einmal.
Es war als würde sie einen mit ihrer Lebensfreude anstecken. Nichts konnte schlecht sein solange es ihr gut ging. Solange das Lächeln in ihrem Gesicht war.

Ich denke jeder Mensch hat sich in Ihrer nähe wohl gefühlt. Deswegen hat sie auch jeder gemocht. Aber nicht nur ihr lächeln hat die sie in die Herzen der Menschen, die sie kannten, gebracht. Sie war ein sehr freundlicher Mensch mit einem riesigen Herz. Und dazu Anstand, Moral, gute Erziehung, absolute Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit und noch viele andere positiven Eigenschaften, die mir so spontan gar nicht einfallen. Wenn ich an Kristiina denke dann finde ich nicht eine negative Eigenschaft an ihr. Und das nicht weil ich nichts Schlechtes über sie schreiben möchte, sondern weil es wirklich so ist.

Die Arbeit hat sie sehr geschlaucht und ich habe ihr gesagt das wir doch auch mal was machen könnten. Irgendwo hin fahren und einfach mal einen Tag was erleben.
Wir haben es nur einmal geschafft. Da sind wir zum Ladies Mile Strand gefahren. Kristiina, Iris und ich. Es war ein schöner Tag. Die Sonne schien natürlich. Ich habe ihr ein paar Muscheln gesammelt (beim Schnorcheln) und sie hat mit Iris im seichten Wasser gespielt.
Ich habe ihr angeboten auf Iris aufzupassen, damit Sie auch mal eine runde in tieferes Wasser konnte. Aber sie hat abgelehnt. Doch über die Muscheln hat sie sich gefreut.
Ich weiß noch das ein paar junge Damen vorbei kamen und kostenlosen Kaffee verteilt. Da haben wir doch nicht nein gesagt und einen kostenlosen Kaffee aus der Büchse getrunken. Ich weiß noch das er ekelig war. Ohne Zucker und alles.
Das war einer der längsten und schönsten Tage mit Kristiina.

Iris war des Öfteren Krank. Ich weiß nicht mehr genau was sie hatte. Ich vermute mal das es die Umstellung auf Zypern war. Wir sind dann zu meiner Hausärztin gefahren. Ich weiß noch das wir dabei auch bei meinem Immobilienmakler reingeschaut und nach einer Wohnung gefragt haben. Das war noch recht kurz nachdem ich Kristiina kennengelernt hatte. Und ich stellte sie als Katarina vor. Ohh war das peinlich und das war das einzige mal das sie mir was richtig übel genommen hat. Es war echt keine Absicht. Aber sie war echt enttäuscht. Doch schon im Auto hat sie wieder gegrinst. Natürlich nicht darüber, aber sie war nicht sauer.

In dem Job war sie nie wirklich glücklich. Wie schon gesagt, Bezahlung schlecht und zu viele Stunden zu den unmöglichsten Zeiten. Mit Kind ist das nicht optimal. Sie hatte aber auch erwähnt das sie eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin hatte und ihr der Beruf sehr viel Freude bereitet hat.
Nun brauchte ich selbst einen Zahnarzt und ging zu einem Bekannten Zahnarzt, der gerade von Deutschland nach Zypern gezogen war und hier seine Praxis eröffnete. Natürlich fragte ich auch gleich nach ob er nicht eine Assistentin bräuchte und er sagte das ich Kristiina doch mal vorstellen sollte.
Als sie von den Neuigkeiten erfahren hat, hat sie sich gefreut wie ein kleines Kind. Sie war so glücklich und natürlich sind wir zusammen zu einem Vorstellungsgespräch gefahren.
Der Zahnarzt hatte zwar gerade noch eine Assistentin, aber die hat sich selbst entlassen. So war der Weg für Kristiina frei.

Wobei Sie aber auch nicht genau wusste was sie machen sollte. Denn sie wollte ja eigentlich bald wieder nach Estland zurück. Aber sie hat erst einmal die Stelle angenommen. Denn alles war besser als die Saftbar. Besonders die Kinderfreundlichen Arbeitszeiten fand sie definitiv besser. Und das ihr der Beruf Spaß gemacht hat. Das war ja dass was sie auch gelernt hatte.

Irgendwann hat mir Christoph dann geschrieben das Kristiina jetzt einen Freund habe. Ab dem Moment an habe ich abstand genommen. Ich wollte mein eigenes Herz schützen. Und ich war enttäuscht das sie mir sagt das sie keine Gefühle hat und dann doch einen anderen Mann nimmt.

Ich weiß nicht mehr wie lange wir uns da nicht mehr gesehen haben. Vielleicht einen Monat oder mehr. Eines Tages hat Christoph uns dann alle zu sich eingeladen und ich bin hingegangen. Ich wollte sie einfach wieder sehen und sie nicht so einfach vergessen. Das konnte man sowieso nicht, Kristiina einfach vergessen… das ging nicht.
Also bin ich auch mit hin und es war schön sie wieder zu sehen. Wir haben uns zur Begrüßung sofort umarmt und uns natürlich angegrinst. Es hat jedoch schon wehgetan sie mit einem anderen Mann zu sehen. Aber nach einer Weile war es zumindest ok. Sie schienen glücklich. Er schien schon älter und hatte auch schon, eine größere, Tochter. Eine Familie halt.

Wir haben uns dann noch 1 oder 2 mal bei Christoph getroffen. Doch zu ihr nach Hause wollte ich nicht wirklich.
Aber irgendwann hat sie mich angerufen und nach meinem Sprachlernprogramm gefragt. Ich habe es Ihr, zu Hause, vorbei gebracht und installiert. Danach haben wir uns noch auf dem Balkon eine ganze Weile unterhalten.
Das 2 und letzte mal war ich vor ein paar Wochen da. Auch hier haben wir lange auf dem Balkon gesessen und geredet.

Ich sitze bei Theo in der Praxis. Gerade kam ein älterer Mann herein und wartete auf seine Behandlung. Als er Theo sah, fragte er ihn wohl wo Kristiina sei und Theo muss ihm in einem Satz gesagt haben was los sei. Der Mann hatte sofort Tränen in den Augen. Das zeigt wie viele Menschen Kristiina gemocht oder geliebt haben. Als Arzthelferin, als Mutter, als Frau und als Menschen natürlich.
Er ist gerade wieder gegangen. Ich glaube er weinte auch…

Kristiina war einer der wundervollsten Menschen die ich jemals getroffen habe. Sie hat die Menschen mit ihrer fröhlichen, höflichen, freundlichen und lebensfrohen Art in Sekunden verzaubert und in ihren Bann gezogen.

Kristiina, Du wirst immer in unseren Herzen sein!

* 04.08.1981 – † 07.12.2010

Kristiina am Strand

Kristiina am Strand

6 Antworten
  1. Dan
    Dan says:

    Hallo Gordon
    Bin via PS-PDF -> Google auf deinen Blog gekommen. Habe dann auch deine Geschichte über Kristiina gelesen. Deine Geschichte hat mich sehr berührt.

    Ich möchte wissen, was mit Kristiina passiert ist und was aus ihrer Tochter geworden ist.

    Gruss aus der Schweiz
    Dan Lee

    Antworten
  2. Marcus
    Marcus says:

    Hallo Gordon,
    ich bin gerade auf deine Blog gestoßen. Die Geschichte mit Kristiina ist hart! Viele Menschen würden daran verzweifeln! Aber ich ziehe meine Hut vor dir! Klasse! Und immer weiter so!

    Antworten
  3. Gordon
    Gordon says:

    Hallo Marcus,

    danke. Naja, was soll man da sagen? Das Leben muss weitergehen. Es ist nun schon fast ein Jahr her und ich denke noch oft an Sie. Aber es tut nicht mehr so weh. Und das ist gut so, denke ich.

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  1. […] Jetzt läuft der Blog, seid kurzem, unter http://www.gordonzube.com. Die letzten waren dann leider die traurigsten in den ganzen 2 Jahren. Ansonsten ging es kreuz und quer durch private Sachen, Programmierung, […]

  2. […] einen klasse abend. Schön erzählt, einen leckeren wein getrunken und uns echt gut unterhalten. Kristiina spricht von uns dreien wohl das beste englisch da sie in england studiert hat. Jetzt möchte sie […]

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