Artikel für den ich keine Überschrift finde…

Ich habe keine Ahnung wie ich diesen Artikel anfangen soll und wie er weitergehen soll. Mein Kopf ist voll mit Dingen die ich loswerden muss. Ich denke ich sollte erst einmal mit dem Anfangen was ich im vorherigen Artikel nicht mehr schreiben wollte.

… Am Mittwoch, den 01.12.2010, um 11:11 erhielt ich einen Anruf von Ellen das Sie Kristiina mit einem geplatzten Aneurysma, im Gehirn, in das Krankenhaus nach Nikosia bringen. Ich hatte keine Ahnung was das ist, aber Ellens Stimme nach zu urteilen war es sehr ernst.

Wie es dann genau weiter ging, weiß ich leider nicht mehr.

Ich weiß noch das Ellen mir am Nachmittag eine SMS geschickt hat in der nur stand das Kristiina Hirntod ist.
Und später hat Theo mich angerufen und gefragt hat ob ich die Nummer von Kristiinas Familie habe. Oder im Internet rausfinden könnte. Ich hatte keine und wusste auch nicht so recht wo und wie ich im Internet danach suchen sollte. Ein anderer Freund, der sie schon seid Jahren kennt und auch die Familie, hatte auch keine. Und ihr Freund wollte sie wohl nicht geben. Warum auch immer. Ich habe das alles nicht so wirklich verstanden und konnte Theo da auch nicht wirklich weiterhelfen.

Auf jeden Fall bin ich am Freitag mit Ellen und Theos ins Krankenhaus mitgefahren, um Kristiina zu besuchen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt schon das die Diagnose „Hirntod“ bestand. Ellen hat mir vorher noch versucht zu erklären was mich auf der Intensivstation erwarten würde. Und dann sind wir zur Station gegangen.

Ich habe das erste mal eine Intensivstation betreten. Und dann habe ich das erste mal einen Freund in einem Bett auf der Intensivstation gesehen. Das unbeschreiblich traurig. Zumindest im ersten Moment. Aber eigentlich sah sie sehr gut aus. Als wenn sie nur schlafen würde. Bis auf den großen Verband am Kopf hatte sie keine äußerlichen Spuren. Es gab zwar noch ein Hämatom am Kopf, aber auf der anderen Seite, die ich erst einmal nicht gesehen habe.

Ellen hat mir ihr gesprochen und ihr gesagt das wir da sind und das ich auch da bin. Ich konnte nur „Hello Kristiina“ sagen. Mehr konnte ich die ganze Zeit nicht sagen. Aber ich konnte sie streicheln und ihre Hand nehmen. Sie war etwas kälter als sonst. Aber nach ein paar Minuten in meiner Hand ist sie auch wieder warm geworden.

Dann das was die nächsten Tage noch mehr verändert haben. Theo, der in Deutschland viele Jahre auf einer Intensivstation gearbeitet hat, kniff Kristiina in den Arm und sie zeigte sofort eine Schmerzreaktion. Ein Muskelzucken als wenn sie den Arm wegziehen wolle. Das änderte innerhalb von einer Sekunde alles. Denn das hieß das sie nicht Hirntod ist.

Er hat sofort 2 Schwestern geholt, die beide den Test selbst wiederholten und immer zeigte Kristiina sofort diese Reaktion. Sie haben es aufgenommen und das war alles was sie taten. Wir jedoch waren uns sicher das Kristiina nicht Hirntod ist.
Außerdem konnte ich sie spüren. Ich wusste das sie da war. Das ist etwas von den Dingen die man nicht erklären kann. Ich wusste es einfach, ich spürte sie.

Aber unser Vertrauen in die Ärzte war sofort bei 0. Wie konnte es sein das ein Facharzt so etwas übersehen konnte und einfach einen Menschen für Hirntod erklären konnte? Wir waren uns sicher, Kristiina musste da raus und zu echten Spezialisten. Und das so schnell wie nur möglich.

Und so wurde schon auf dem Rückweg diskutiert wie man das am besten anstellt. Dabei war auch noch die Angst das einfach die Maschinen abgestellt werden können. Und damit sind die hier wohl sehr schnell dabei.
Theo muss halb Zypern angerufen haben und konnte auch einiges erreichen.

Doch es standen viele Fragen im Raum die wir nicht beantworten konnten. Gehört Kristiina einer Religion an? Und welcher? Sie war auf Zypern nicht krankenversichert. War sie es noch in Estland? Sie hatte mal was erwähnt, aber keine konnte sich wirklich erinnern. Wir wollten die Familie fragen, hatten aber keine Kontaktmöglichkeit. Ihr Freund verweigerte die Herausgabe der Telefonnummer des Bruders. Warum wusste keiner.

Danach ging es darum wie wir Kristiina da rausholen können. Ausfliegen in ein Estnisches oder Deutsches Krankenhaus erschien als die beste Möglichkeit. Dort konnte Sie von Spezialisten behandelt werden und wir hätten auch die Gewissheit gehabt das Kristiina in wirklich guten Händen gewesen wäre.

Also weitere Telefonate. Kontakte aufspüren und bestehende Nutzen. Durch Zufall haben die beiden einen Bekannten getroffen, der bei einer Schifffahrtsgesellschaft arbeitet und manchmal auch dringend Patienten von Schiffen abholen lassen muss, per Luftrettung. Er sagte das es zwischen 8.000 und 10.000 Euro kosten würde.
Das klingt erst einmal viel. Aber die beiden meinten das man es mit Spenden zusammen bekommen könnte. Zudem in 1-2 Tagen hätte das passieren müssen. Aber Theo und Ellen waren zuversichtlich das es machbar ist. Mit Spenden.

Auch ich war jetzt gefragt und konnte mehr tun. Eine Spendenseite für Kristiina erstellen. Keine Frage das ich mich sofort rangemacht habe. Und innerhalb von ein paar Stunden war www.helpkristiina.com online.
Aber wie Spenden sammeln? Wie funktioniert das? Auch hier gab es einen Kontakt bei einer Spendenorganisation, hier auf Zypern. Aber es war Wochenende. Da kann man wenig erreichen.
Wir wollten Montag früh auch gleich zur Bank und ein Spendenkonto für Kristiina eröffnen. Mit 2 Inhabern, damit man nicht sagen konnte das wir das Geld für uns nehmen wollen würden.

Abends waren wir immer bei Kristiina im Krankenhaus. Auch Samstag konnte ich noch nicht mit Ihr sprechen. Habe wieder nur ihre Hand gehalten und ihren Arm gestreichelt. Sonntag habe ich auch schon ein wenig mit ihr geredet.
Es war nicht mal mehr schlimm da zu sein. Im Gegenteil, es fühlte sich „normal“ an. Also nicht gut oder schlecht. Ich war einfach da. Das grausame war jedes mal wieder zu gehen. Sie allein dort liegen zu lassen. Allein zwischen Menschen die sie nicht kannte, die nicht ihre Sprache sprechen und die sich anscheinen einen Dreck um sie kümmern. Nicht bei ihr sein zu können wenn sie mich am dringendsten brauchte und sonst auch niemand da war den sie kannte.

Auch die Besuchszeiten sind sehr interessant dort auf der Intensivstation. Von 14 bis 15 Uhr und von 17 bis 18. Wir haben Samstag schon gefragt ob es möglich ist dort länger zu bleiben oder auch außerhalb er Besuchszeiten zu kommen. Es wurde uns verweigert.

Ich wäre gern länger bei ihr geblieben. Hätte gern länger ihre Hand gehalten und auch mit ihr geredet. Damit sie weiß das sie nicht allein ist, das jemand da ist den sie kennt und ihr so vielleicht auch Kraft zu geben. Kraft zum Kämpfen.
Ich habe mir immer vorgestellt wie es wäre wenn ich in einem fremden Land im Krankenhaus liegen würde. Alle sprechen eine Sprache die ich nicht verstehe (auch wenn man im Koma ist, versteht man ja vielleicht was um einen rum passiert). Wie würde ich mich freuen wenn jemand da ist den ich kenne und der meine Hand hält oder anders Körperkontakt hält, damit ich ihn spüre.
Jeder hat seinen eigenen Glauben. Aber ich finde Gebete bringen gar nichts. Es hilft dem Betroffenen null. Aber den Körperkontakt kann man spüren. Hand halten hilft mehr als 100 Gebete.
Obwohl man in dieser Situation anfängt an alles zu glauben. Wirklich alles. Egal ob Gott, Allah, Schutzengel oder was auch immer. Hauptsache irgendwer ist da oben und hilft.

Erst am Sonntag konnten wir aus der Schwester dann doch eine Zustimmung herauslocken, das ich am Monat außerhalb der Besuchszeiten bei Kristiina bleiben darf. Das war schon mal gut.

Sonntag bekamen wir auch endlich Kontakt zum Bruder. Ich hatte am Samstag Abend in Facebook den kleinen Bruder gefunden. Einfach denjenigen in Ihrer Freundesliste angeschrieben, der Ihren Nachnamen trug. Und es war zufällig der kleine Bruder. Ich habe ihn gefragt ob er der Bruder ist und da er nicht viel Englisch verstand wollte er meine Nachricht an seinen größeren Bruder weiterleiten. Den wollte ich eigentlich auch erreichen. Ich wusste gar nicht wirklich das sie auch noch einen kleinen Bruder hatte.

Wie viel wussten wir überhaupt von Kristiina? Diese Frage stellte ich mir immer öfter. Immer mehr Fragen wurden gestellt auf die Ich keine Antwort hatte. Obwohl es gar nicht so ungewöhnliche Themen waren. Religion. Ansichten. Familie.
Und wie viel von dem was wir die ganzen Abende besprochen hatten war noch da? Ich musste mir ehrlich eingestehen, nicht mehr viel. Ich konnte mich an keinen einzigen langen Gesprächszusammenhang erinnern. Geschweige denn Details. Hier und da wusste ich noch ein paar Sachen. Aber im groben war alles vergessen. Ich hasse mein Gedächtnis.

Samstag waren wir noch bei IKEA, ist ja gleich nebenan, und haben viele Kerzen gekauft. Sie brennen noch immer für Kristiina…

Am Wochenende haben wir auch noch mit dem ADAC telefoniert. Ich glaube es war am Samstag. Der Mann wollte sich erkundigen und uns zurückrufen. Das hat er nicht. Ellen hat dann noch mal angerufen und die schockierende Nachricht erhalten. Der ADAC würde für den Transport von Kristiina nach Estland 32.400 Euro berechnen. Es würde aber auch, sowieso, ein Flug nach Hannover am Dienstag geben. Das würde günstiger kommen. Wie viel genau konnte uns der Mitarbeiter nicht sagen. 32.000 Euro ist schon einiges mehr als 10.000 Euro. Das wäre in 1-2 Tagen kaum zusammen zu bekommen. Selbst wenn alle Firmen und Menschen richtig in den Topf packen. Aber es war (relativ) egal. Wir hätten es gepackt. Irgendwie. Hauptsache Kristiina kann leben.

Aber Kristiina selbst hat nicht mehr reagiert. Die Reaktionen am Freitag waren die letzten, die sie uns gab. Als wir sie am Samstag besucht haben und sie auf die Tests nicht mehr reagierte, war Theo sehr enttäuscht. Ich irgendwie nicht. Ich habe die ganze Zeit fest an sie geglaubt. Auch als sie am Sonntag wieder keine Reaktion zeigte habe ich nicht aufgehört an sie zu glauben. Es war nicht möglich das Kristiina aufhört zu kämpfen. Nicht unsere lebensfrohe Kristiina. Schon allein wegen Iris konnte sie nicht aufhören. Jeden Tag habe ich auf eine Reaktion gehofft. Und selbst wenn keine kam… dann halt morgen. Dann braucht sie noch ein bisschen Kraft.
Außerdem sah sie sie ganze Zeit über ja sehr gut aus. Als würde sie nur schlafen und ein bisschen überarbeitet sein.

Am Montag dann die Enttäuschungen. Wir durften keine Spenden sammeln. Nicht mit einem Konto. Nur im privaten Bereich. Das war ein herber Rückschlag. Außerdem teilte uns der ADAC mit das sie keine Patienten mit der Diagnose Hirntod ausfliegen würden und auch die Krankenhäuser, mit denen Theo gesprochen hat, sagten das sie diese Patienten nicht aufnehmen würden.

Somit konnten wir Kristiina nicht ausfliegen. Aber es gab eine neue Hoffnung. Laut Statistik würden 5% der für Gehirntod erklärten von allein Weiteratmen wenn die künstliche Beatmung abgeschaltet würde und die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt. Das wäre der letzte Test. Würde sie atmen, dann wäre sie nicht Gehirntod. Würde sie es nicht tun… dann würde Sie für immer von uns gehen. Aber es war eine neue Hoffnung. 5%… 1 Mensch von 20. Das ist eine gute Chance.

Am Montag bin ich dann schon eher ins Krankenhaus. Eigentlich wollte ich gleich nach der ersten Besuchszeit da sein. Aber ich habe mich verspätet und war erst eine halbe Stunde vor der 2. da. Und die nette Krankenschwester erklärte mir an der Sprechanlage das ich doch noch warten muss und nicht zu Kristiina kann.
Verlasse dich hier nie auf Aussagen die dir jemand macht!

Ich hatte mir extra Musik aus Estland auf mein Handy geladen. Smilers, eine Band die Sie mochte. Und einen Grundkurs in Estnisch, damit ich ein bisschen in ihrer Sprache mit ihr reden konnte.

Dann gingen endlich die Türen auf und ich konnte zu ihr. Sie lag ein wenig auf der Seite und ein Augenlied war ein wenig geöffnet, so das ich das wundervolle blau Auge sehen konnte (Augenfarbe). Ich habe ihre Hand genommen und sie auf estnisch Begrüßt. Ob es korrekt ausgesprochen war weiß ich nicht, aber ich glaube so ungefähr hat es gestimmt. Hab es ja ab und zu bei Christoph gehört, wenn sie in estnisch miteinander gesprochen haben. Ich habe auch noch ein paar andere Sachen zu ihr gesagt und versucht es richtig vorzulesen. Wie es ihr geht. Das ich kaum estnisch spreche. Wie ich heiße. Und eine Frage habe ich ihr oft an diesem Abend gestellt. „Kuss on Iris, Kristiina?“ Wo ist Iris, Kristiina? Das war ein Satz den ich korrekt aussprechen konnte. Und er enthielt den Namen ihrer Tochter und ihren eigenen. Aber es kam keine Reaktion.
Meist hab ich ihr dann in Englisch etwas erzählt. Was gerade so los ist.
Und natürlich ihre Hand gehalten und ihren Arm gestreichelt… und ich glaube ich habe die ganze Zeit in ihr Auge geschaut, mit der Hoffnung das sie mich sehen kann.

Irgendwann war die Besuchszeit vorbei und ich habe den Arzt oder Pfleger oder was immer es war, gefragt ob ich länger bleiben kann. Und erstaunlicher Weise hat er zugestimmt und mir sogar einen Stuhl angeboten und den Seitenschutz des Bettes runter gemacht, damit ich weiter ihre Hand halten kann. Und so habe ich noch weitere 2 Stunden bei ihr gesessen und mit ihr geredet.

Bis dann um kurz vor 8 Schichtwechsel war. Da haben sie mich gebeten raus zu gehen. Ich habe noch gefragt ob ich wieder rein darf, wenn sie durch sind. Der (selbe) Mann meinte „Ja, klar. Kein Problem“. Also habe ich draußen gewartet … und gewartet … und gewartet.

Nach über einer halben Stunde habe ich dann mit Theo telefoniert und mit ihm gesprochen. Das Kristiina keine Reaktionen zeigt. Diesmal habe ich den Kneif-Test gemacht und es kam nichts. Ich konnte sie so stark kneifen wie ich konnte, keine Reaktion. Obwohl ich mir nicht sicher bin ob ich sie wirklich stark kneifen konnte. Kannst Du jemandem weh tun den du magst/liebst? Normalerweise nicht. Nur Ärzte wissen wie stark, stark genug ist.

Theo meinte dann zu mir das ich nach Hause fahren solle. Das es wohl besser ist Kristiina gehen und in Frieden zu lassen. Das wir morgen früh (Dienstag) noch einmal hinfahren würden um „Auf Wiedersehen“ zu sagen. … Das war wohl der Punkt den ich die ganze Zeit nicht hören wollte. In dem Moment ist so ziemlich alles zusammen gebrochen an was ich in den letzten Tagen geglaubt habe. Aber trotzdem konnte und wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben. Nur wurde sie jetzt von Wundern und der letzten Chance getragen wurde. Die letzte Chance, das Sie atmet wenn Sie die Maschinen abstellen würden. Denn das wäre das letzte Zeichen gewesen das sie noch da ist. Das sie noch bei uns ist.
Und die Maschinen würden sie abstellen sobald der Bruder hier eintrifft. Der sollte Dienstagabend mit dem Vater von Iris eintreffen.

Ich bin dann also am Montag von Kristiina weggefahren mit dem Wissen das ich sie vielleicht nur noch ein mal wiedersehe. Und wieder bzw. jetzt erst recht habe ich mich schlecht dabei gefühlt sie allein zu lassen. Sie ihre, vielleicht, letzten Stunden da einsam da liegen zu lassen. Aber was sollte ich machen?

Dienstag morgen sind wir dann noch einmal ins Krankenhaus gefahren. Diesmal nur noch Theo und Ich. Ellen schaffte es nicht mehr.
Noch ein letztes mal standen wir an ihrem Bett und haben ihre Hand gehalten und ihren Arm gestreichelt. Man hatte ihr die Augen zugeklebt. Dafür sahen die blauen Flecken am Arm, wahrscheinlich durch das kneifen, gut verheilt aus. Eigentlich sah sie generell sehr gut aus.

Theo hat sich von ihr verabschiedet und dann war ich dran. Er ließ mich mit ihr allein.
Ich hatte keine Ahnung was ich sagen sollte. Was soll man da auch sagen? Ich glaubte ja noch immer daran das sie wiederkommt. Andererseits war auch mir klar das es wohl wirklich das letzte mal sein würde das ich sie sehe, auch wenn ich es nicht möchte.
Ich glaube ich stand eine Weile nur da und habe wieder ihre Hand gehalten und sie gestreichelt. Ich habe ihr auch noch meine Kette mit dem Kreuz in die Hand gelegt. Ich bin nicht gläubig, daher hatte es keinen Religiösen Hintergrund (da wir auch nicht mal wussten welcher Glaubensrichtung sie angehört). Nur diese Kette war mein Glücksbringer beim Tauchen und ich war immer heil wieder zurück gekommen. Ich habe es ihr erklärt und ihr gesagt das Sie doch auch sicher wieder zurück kommen soll.
Ich weiß nicht mehr was ich ihr noch gesagt habe. Nur zum Abschied konnte ich ihr nur noch sagen „See you on the next bbq or … somewhen. Take care honey.“.

Und dann sind wir gegangen. Ein letztes mal habe ich Kristiina an diesem morgen gesehen.

Am Abend kam ihr Bruder. Wir mussten bis zum nächsten Morgen auf eine Nachricht warten. Und wir haben den Abend fieberhaft auf die Nachricht gewartet was nun ist. Lebt sie oder ist sie gestorben. Im nachhinein haben wir erfahren das der Bruder noch 2 Stunden Verspätung hatte und es deswegen alles sich nach hinten gezogen hat.
Aber als ich Theo am Mittwoch morgen angerufen habe, da konnte er mir nur noch die Nachricht geben das Kristiina am Abend verstorben ist…

Bis dahin war es noch alles. Hoffnung das etwas passiert, das sie kämpft und gewinnt und Reaktionen zeigt oder vielleicht sogar die Augen aufmacht oder was bewegt. Glauben das ein Wunder geschieht. Glauben das man selbst ihr die Kraft geben kann zu kämpfen und zu gewinnen. Hoffnung das die Ärzte sich getäuscht haben.

Ab diesem Zeitpunkt war es nur noch Trauer und Schmerz. Alles an was man geglaubt hat war zerstört. Jede Hoffnung war mit einem mal weg. Es war endgültig. Sie wird nie wieder kommen. Sie wird mir nie wieder ins Gesicht lächeln. Ich werde sie nie wieder in den Arm nehmen können. Sie nie wieder berühren können. Sie wird nie wieder andere Länder bereisen können. Sie wird nie wieder die Sonne auf- oder untergehen sehen können. Sie wird nie wieder am Strand stehen können und den salzigen Geruch des Meeres riechen können. Sie wird nie wieder ihre Heimat Pärnu sehen können. Nie wieder ihre Geschwister besuchen können. Sie wird nie wieder ihre Tochter Iris sehen können. Sie wird sie nicht aufziehen können und sehen wie sie wächst und sich entwickelt.
Sie ist einfach weg und kommt nie wieder…

Heute hat mich jemand gefragt wie lange ich Kristiina kannte und mir dann gesagt das ich sie ja nicht sooo lange kannte. Es geht nicht darum wie lange man jemanden kennt, es geht darum wie tief er in dein Herz gelangen konnte. Und Kristiina war sehr schnell sehr sehr tief in meinem Herzen!

Es gibt dafür keinen Sinn. Einfach absolut keinen Sinn. Sie war ein absolut Grund auf gütiger Mensch. Sie war gerade 29 Jahre alt und mit einer kleinen Tochter. Sie hat nie jemandem etwas böses gewollt und hat alle Menschen mit liebe und Respekt behandelt. Das sie sterben musste, dafür gibt es absolut keinen Grund, keinen Sinn, keine Begründung.
Da draußen laufen so viele Idioten rum. Warum nicht einer von denen? Warum nicht ein alter Mensch der sein Leben schon gelebt hat, auch wenn das auch hart klingt.
Warum einer der gutmütigsten, jungen Menschen auf dieser Erde?
Eine Frage auf die es nie eine Antwort geben wird.

Es gibt so viele Fragen die in den letzten Stunden und Tagen in meinem Kopf entstanden sind und einige halten sich hartnäckig, weil es einfach keine Antwort gibt.
Aber auch genauso Feststellungen.

Am Freitag hat Kristiina ja noch eindeutige Reaktionen gezeigt. Das heißt sie war noch da. Wäre ich dann gleich bei ihr geblieben, dann hätte ich sie vielleicht noch unterstützen können. Oder zumindest wäre sie nicht allein gewesen.

Bereue ich das ich sie dort besucht habe? Mir wurde schon mal gesagt lieber nicht, in solch einem falle, in ein Krankenhaus zu gehen und den Menschen zu besuchen. Man solle ihn so in Erinnerung behalten wie er war und gelebt hat. Nicht wie er dort auf dem Kranken… oder gar Sterbebett liegt.
Nein, definitiv nicht. Ich bereue nur das ich nicht länger dort war. Das ich ihr nicht länger beigestanden habe. Das ich sie so lange dort alleine hab liegen lassen, das ist es was ich bereue.
Es wäre sicher auch anders gewesen wenn sie von hier gewesen wäre und die Familie auch da gewesen wäre. Aber in diesem Fall hatte ich das Gefühl das sie dort ganz alleine ist. In einem fremden Land, einer fremden Sprache, mit fremden Menschen.
Und ich habe mich irgendwie sogar gut gefühlt an ihrem Bett… oder vielleicht war es auch sie, die das so gefühlt hat.

Was wird aus der armen Iris? Kristiina hat von dem Vater von Iris nicht wirklich eine gute Meinung gehabt. Und sie musste es ja wissen. Ich (und ein paar Menschen mehr, die sie kannten) glaube sogar das sie Estland wegen dem Typen verlassen hat. Ob Gewalt eine Rolle gespielt hat weiß ich nicht mehr ganz genau, aber ich glaube ja. Auf jeden Fall hat er faul zu hause rumgesessen und sie musste das Geld ranschaffen.
Seine erste Reaktion darauf das Kristiina in einem sehr kritischen Zustand im Krankenhaus liegt war „Ich habe kein Geld!“. Seine erste Reaktion auf die Frage um Iris wahr wohl „Ich will sie nicht!“. (PS: Das weiß ich alles nur aus dritter Hand. Aber ich glaube es!) Dann, einige Tage später wollte er Iris dann auf einmal doch haben.
Ich habe ihn gestern selbst kennengelernt. Naja, durch die Sprachbarriere konnten wir wenig reden. Aber schon vom Auftreten und wie er mit Iris umgeht, die dabei war, empfinde ich ihn als Vollhonk. Ich glaube nicht das er Iris nur das beste geben kann. Und besonders in Erziehungssachen. Niemand kann Kristiina als Mutter ersetzen… aber Iris ist Ihr Kind und ich wünsche mir das Iris einmal so ein guter Mensch wird wie Ihre Mutter. Und wenn sie bei ihm aufwächst, dann bezweifel ich nicht nur das sie diese Charaktereigenschaften nicht erlernen wird.
Aber leider ist er derjenige der nun das Sorgerecht zugeteilt bekommt.
Der Bruder hat gesagt das Iris in seiner Familie immer willkommen ist und das rechne ich ihm hoch an. Anfangs wollten sie sich wohl auch streiten um das Sorgerecht, da wir uns hier wohl alle einig sind das der Honk das nicht schafft. Aber auch in Estland ist es wie überall… wenn die Mutter stirb erhält der Vater das Sorgerecht. Und so haben sie von einem Gerichtlichen Streit abgesehen und so wenigstens noch die Möglichkeit Iris zu sehen und vielleicht auch ein Auge drauf zu haben.
Ich persönlich hoffe das er mit dem Kind total überfordert ist und Iris freiwillig an die Familie von Kristiina übergibt. Und das möglichst bevor er Schaden anrichten kann. Ich würde mich dabei viel viel wohler fühlen.

Es gibt da so vieles was noch offen ist und was vielleicht niemals beantwortet wird.

Auch was man so im nachhinein alles erfahren hat.

Passiert ist es Dienstag morgen. Sie wahren wohl noch zu Hause, sind normal aufgestanden und alles war normal. Ihr Freund ist dann irgendwann los zu Arbeit. Und wenig später muss sie ihn wohl angerufen haben, aber am Telefon nichts gesagt haben. Nur geweint. Er ist dann zurück und hat sie gefunden. Wohl schon halbseitig gelähmt. Das war ungefähr halb 8, glaub ich.
Sie sind dann in das Krankenhaus von Limassol, wo ihr aber keiner Helfen und konnte und sie wurden nach Nikosia geschickt. Erst hier wurde sie um halb 12 oder halb 1 Operiert. 4 oder 5 Stunden später!

Bewundernswert war es wie viele Menschen Anteil an der geplanten Aktion für Kristiina genommen haben. Es gab so viele Menschen die uns geholfen haben oder helfen wollten. Besonders natürlich Theo und Ellen, die einfach die Kontakte hier hatten und auch alles gegeben haben. Ich persönlich möchte mich hier noch mal bei den beiden Bedanken. Aber auch ihr Freund und seine Freunde.
Theo hat mir auch erzählt das so viele Patienten in seine Praxis gekommen sind und fassungslos über die Nachricht waren und auch sofort helfen wollten. Manche hatten Kristiina nur ein einziges mal in der Praxis erlebt und haben angefangen zu weinen bei der Nachricht.
Es gab keine Kirche in Limassol (und sicher auch Umgebung) in der keine Kerze für Kristiina brannte, in der keine Gebete für sie gesprochen wurden.
Ich danke wirklich jedem aus Herzen der für Kristiina da war und geholfen hat oder helfen wollte! Hätten wir eine Chance gehabt, dann hätte sie es geschafft weil so viele Menschen bereit waren zu helfen.
Was ich mich im nachhinein frage ist: Hat sie gewusst das so viele Menschen für sie da waren. Das sie von so vielen Menschen geliebt, geachtet und geehrt wurde?

Und das ist noch lange nicht die ganze Geschichte über die letzten Tage. Aber es gibt auch Dinge über die ich nicht weiter nachdenken möchte und für die es jetzt auch keinen Grund mehr gibt nachzudenken.

Die letzten Tage waren sehr stürmisch. Erst ein auf und ab an Gefühlen. Hoffnung, Freude über angebotene Hilfe, Enttäuschung über Rückschläge, Bangen und Beten. Die Tage waren selten so lang und doch so kurz.
Dann die letzte Nachricht. Das eigene Leben wird grau, wenn ein Freund uns verlässt. Jeder sagt einem „Aber dein Leben geht weiter.“ … natürlich tut es das. Aber wie? Und wann? Der Schmerz und die Trauer verdrängen alles. Konzentration gleich null. An Arbeit nicht zu denken. Man versucht einen Sinn zu finden, aber es gibt keinen. Man versucht sich mit irgendwas zu beschäftigen, aber es macht nichts Spaß. Man versucht irgendwas, aber nichts hat eine Bedeutung.
Hier scheint noch immer die Sonne wie in Deutschland im Sommer. Aber trotzdem ist sie nicht da.

Meine Bewunderung gilt denen, die einen geliebten Menschen in solch einer Lage für mehrere Wochen oder gar Monate begleiten können. Die nie aufgeben an den Menschen zu glauben, auch wenn er noch so schlecht aussieht. Und immer versuchen ihm Kraft zu geben, auch wenn es noch so sehr an den eigenen Kräften zehrt und es einen selbst fertig macht.

Ich habe keine Waage, aber ich weiß das ich in den letzten Tagen einige Kilo verloren habe. Ich habe einfach aufgehört zu essen. Erst einmal waren wir viel unterwegs und wenn ich zu Hause war, dann war da einfach kein Hungergefühl mehr bzw. wurde ignoriert. Ich esse ja so schon wenig. Aber das wenige wurde dann auch noch weniger. Manchmal bin ich Hungrig eingeschlafen und noch hungriger wieder ausgewacht. Und trotzdem war kein Drang da zu essen. Das gleiche mit Trinken. Eigentlich habe ich mich nur von Kaffee und Zigaretten „ernährt“.
Das hat mir dann mein eigener Körper schnell übel genommen. Ich glaube Dienstag oder Mittwoch fingen starke Kopfschmerzen an. Ich denke wegen der mangelnden Flüssigkeit. Auch mein Herz machte immer öfter Probleme. Insbesondere natürlich in Momenten der Trauer und wenn ich mich an Kristiina erinnert habe.

Es hat gerade (Freitag Mittag) bitter böse Gewittert und geregnet. Das erste mal seid vielen Monaten so richtig. Es hat am Sonntag schon einmal geregnet. Aber das war nichts im Vergleich zu dem Gewitter eben. Der Boden hat unter dem Donner gebebt. Ich habe mich gefragt ob sie es war, die da geweint hat.
PS: Es ist bereits Mitternacht und es Gewittert immer noch bzw. schon wieder mal. Theo hat mir heute erzählt das sich Kristiina so auf den Regen hier gefreut hat. Sie wollte ihn unbedingt sehen. Wenn die Straßen überschwemmt sind. … Sie hat es nicht mehr miterlebt.

Jetzt habe ich gelernt das man sich mit dem Tod erst auseinandersetzen kann wenn man ihn bei einem geliebten Menschen miterlebt hat. Natürlich werden wir ständig mit dem Tod konfrontiert. Aber er ist nicht real. Nicht für uns.
Es gibt keinen Krimi, Thriller oder Horror Film ohne Tote. Aber sie sind Fiction. Verstehen wir das überhaupt? Warum schauen wir uns sowas an und finden es noch gut?
Selbst in den Nachrichten sehen wir ständig den Tod und das Leid von Menschen. Diese sind wiederum real. Echter Tod und echter Schmerz. Aber wir kennen diese Menschen nicht. Deswegen berührt es uns nicht. Oder nur wenige.
Aber wenn ein Mensch stirbt den wir kennen, dann ist es unser Herz was schmerzt. Noch dazu in dieser Situation. Eine junge Frau. Mutter einer, nicht einmal 2 Jährigen, kleinen Tochter. Der gutmütigste Mensch der Welt. Wir haben um den Menschen gekämpft und wir haben verloren.

Ich weiß nicht wie es in Deutschland wirklich ist wenn ein Freund oder Familienmitglied gestorben ist.
Theo und Ellen haben mir erzählt das hier auf Zypern kommt die ganze Familie zusammen kommt. Das Sie Tage und Nächte zusammen bleiben und gemeinsam reden, trauern, aufpassen und weinen. Für ganze 2 Wochen. Und gemeinsam Abschied nehmen und den Schmerz verarbeiten. Sie sagen das nach einer Woche schon keine Tränen mehr kommen. Das der Verlust verarbeitet ist. Und ich denke das ist eine sehr gute Sache. Mit Ellen und Theo haben wir dies auch ein wenig gemacht. Wir konnten nicht Tag und Nacht zusammen bleiben. Aber ich habe mich in den letzten Tagen viel mit ihnen getroffen. Wir haben zusammen gekämpft und wir haben zusammen um Kristiina getrauert und tun es immer noch. Aber es tut auch für uns sehr gut das wir wissen das wir nicht alleine sind.
Viel mehr schmerzt es natürlich noch ihren Freund und ihre Familie. Wir haben uns mit dem Freund, dem Bruder und dem Honk getroffen. Vielleicht schaffen wir es heute noch mal. Morgen fliegen sie ja wieder zurück.
Aber ich denke das ist mit eine der ersten sinnvollen Sachen die Zyprioten, meiner Meinung nach, tun.

Es gibt aber auch ein paar Dinge über die für mich nachgedacht habe.

Was wäre wenn ich morgen in dieser Situation wäre. Würde ich sterben mit dem Wissen glücklich gewesen zu sein und gelebt zu haben?
Meine Antwort wäre nein. Es ist schlimm, aber wahr.
Natürlich bin ich glücklich hier auf Zypern zu sein. Und ich denke das war Kristiina auch. Aber mit meinem Leben an sich bin ich nicht zufrieden. Ich stehe morgens auf und gehe an den Rechner. Und wenn ich den Rechner wieder aus mache, dann gehe ich ins Bett. Das war es. Dazwischen ist nicht viel. Man rennt jedem Euro hinterher und hofft das morgen endlich was passiert. Aber es passiert nichts. Weder heute, noch morgen. Und übermorgen weiß man eigentlich auch das nichts passiert. Man ist enttäuscht und macht trotzdem genauso weiter. Immer in der Hoffnung das morgen endlich der große Deal kommt und damit das Geld was man braucht um zu Leben und nicht nur zu überleben.

Damit ist jetzt Schluss. Ich weiß noch nicht wie, aber ich werde nicht mehr den ganzen Tag damit verschwenden vor der Kiste zu hängen. Entweder es passiert was in 8 Stunden, oder nicht. Die restliche Zeit des Tages werde ich dazu nutzen mein Leben zu leben und zu genießen, bevor es zu spät ist.
Angefangen habe ich damit schon. Ich gehe, seid letztem Freitag (glaube ich) schon (fast) jeden Tag eine runde Schnorcheln. Einmal habe ich es zeitlich nicht geschafft und heute gewittert es ja schon den ganzen Tag. Aber es ist eine Stunde draußen sein und ein bisschen Bewegung für meinen Körper. Der ist schon total im Eimer und ohne jede Kondition, wie ich feststellen musste. Außerdem liebe ich ja das Meer. Und am liebsten mit dem Kopf unter Wasser. Das ist so wundervoll beruhigend und man sieht interessante Sachen da unten. Tauchen ist zwar noch schöner, aber das kostet ja auch wieder gut Geld.
Im Moment sagt mir auch jeder das dass Wasser ja so kalt wäre. Aber das ist es gar nicht. Wie die Ostsee im Frühherbst ungefähr, würde ich mal sagen.

Was würde mich denn glücklich machen?
Ehrlich gesagt, ich weiß es im Moment selbst nicht. Ich habe lange darüber nachgedacht und komme zu keinem Ergebnis. Eine Partnerin, die mich liebt und die ich auch wirklich liebe. Das wäre ein sehr guter Anfang. Denn dann kann man das Leben teilen. In guten und in schlechten Zeiten. Und das es in schlechten Zeiten sehr wichtig ist, das habe ich die letzten Tage gemerkt. Wie sehr ich jemanden an meiner Seite vermisst habe. Ellen und Theo waren natürlich auch immer für mich da, aber das ist nicht das selbe. Auch wenn es natürlich auch sehr gut getan und geholfen hat.
Aber was ich sonst noch zum Glück bräuchte. Ich weiß es nicht. Reisen, Familie, Kind(er), Haus, Geld… das alles wäre schön, früher oder später. Aber ich denke nicht das es mein Glück ausmachen würde.
Bevor das passiert ist, war ich fest dabei Pläne für eine Weltreise zu machen. Das war da mein Plan zum Glück für 12 Monate. Aber im Moment… alles weg. Es macht alles keinen Sinn. Ich kann mir nicht mehr vorstellen das es das ist was mich Glücklich machen würde, was ich will. Aber egal in welche Richtung ich mir mein Leben vorstelle. Keine Richtung scheint mein Glück zu sein.
Ich denke es kommt wieder… irgendwann.

Wo wir gerade dabei sind. Eine Eigenschaft an mir selbst ärgert mich, besonders jetzt, ungemein. Meine Vergesslichkeit. Es ist weder Absicht noch Böswillig oder gar gewollt. Aber ich Vergesse alles und ständig. Ob es Namen sind, Gefühle, Eindrücke oder ganze Gespräche. Ich kann mich an keine einzige Unterhaltung mit Kristiina erinnern. Teile von dem was sie mir mal gesagt hat, ja. Aber keine 2 ganzen Sätze. Den Klang ihrer Stimme habe ich schon fast vergessen. Ihren Geruch rieche ich nicht mehr. Nur heute hatte ich den Geruch aus dem Krankenhaus mal wieder in der Nase. Aber wie roch Sie? Ich weiß es nicht mehr… Ich weiß noch das sie immer diese Geräusche machte, aber ich weiß kaum noch wie sie klangen… Ihr Anblick will nicht in meinem Kopf bleiben. Die Erinnerungen aus dem Krankenhaus sind noch sehr frisch. Sie sind noch da. Aber so wie sie war… ich muss immer wieder auf ein Foto schauen um die Details zurück zu bekommen. Nach wenigen Minuten ist nur noch ein verschwommenes Bild in meinem Kopf… Und so ist das mit allem. :( Ich hasse es. Aber das kann ich nicht ändern.

Ich schreibe jetzt schon seid 2 Tagen diesen Artikel. Es tut gut, aber ich denke ich werde jetzt hier damit aufhören. Es gäbe noch so viel zu sagen, so viel zu schreiben und so viel zum Nachdenken. Und alles kann man auch nicht in Worte fassen. All die Gefühle in dieser Woche…
Aber ich denke für diesen Artikel reicht es erst einmal. Alles andere bleibt in meinem Kopf… obwohl ja auch nicht für lange. Oder ich werde es in anderen, kürzeren, Artikeln aufschreiben. Nur eins noch…

Warum verstehen wir erst wie sehr wie einen Menschen mögen und lieben, wenn er nicht mehr da ist oder kurz davor ist zu gehen?

Das ich Kristiina mehr als nur gern hatte wusste ich. Aber wie sehr das habe ich ihr lange nicht mehr gesagt, weil ich es selbst nicht mehr „beachtet“ habe. Ich wusste ja das sie da war. Das ich sie jederzeit hätte besuchen können und ihr immer etwas hätte sagen können, wenn ich denn etwas zu sagen gehabt hätte. Sie war ja da. Wenn auch aus uns nichts weiter geworden ist oder wäre (wer weiß das schon). Aber Sie war da und es ging ihr gut (hoffentlich). Selbst wenn Sie nach Estland zurück gegangen wäre und wir uns nie wieder begegnet wären. Man hätte sich noch finden können. Man hätte den anderen wieder kontaktieren können und mit ihm reden können.
Ich habe meine SMSen durchgesehen und natürlich auch noch die von Kristiina drin. Am 29.07. haben wir eine SMS getauscht. Das war der Zeitpunkt wo sie mit ihrem Freund zusammen gezogen ist. Die nächste erst wieder am 09.11. Sie hat mich um das Lernprogramm gebeten und ob ich es ihr vorbeibringen könnte. Sie hat in der SMS noch geschrieben „And don’t forget to smile :o“… sie wusste genau warum. Danach haben wir uns noch 2 mal getroffen und miteinander geredet. Und dann kam der Anruf von Ellen und mit einem mal konnte ich nichts mehr zu ihr sagen und habe und werde nie wieder eine Antwort erhalten. Nie wieder! Dabei fällt mir jetzt so viel ein was ich ihr gern sagen würde. Sehr viel. Aber ich kann es nicht mehr.

Keiner weiß wie alt wir werden und dann die Zeit für jemanden gekommen ist. Manche werden sehr alt und haben ein langes Leben. Andere verlassen uns noch lange vor der Zeit die sie haben sollten und ohne jede Vorwarnung. Und wenn sie erst einmal gegangen sind, dann können wir ihnen nichts mehr sagen.

Kristiina wird immer in unseren Herzen weiterleben. Am meisten jedoch in ihrer süßen Tochter Iris!

Geboren am 04 August 1981 – Gestorben am 07 Dezember 2010. Ruhe in Frieden liebe Kristiina.

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