Sea Shepherds Paul Watson – Ein Öko-Terrorist?

Hallo,

Paul Watson

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Watson)

heute mal ein paar News die auch neu sind. Denn gerade ist es groß in allen Medien das Paul Watson, der Kopf und Gründer der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd (zu Deutsch: Meeresbeschützer), verschwunden bzw. aus Deutschland geflohen ist. Er wurde am 13. Mai 2012 in Frankfurt (Deutschland) verhaftet, aufgrund eines Haftbefehls in Costa Rica und sollte dorthin ausgeliefert werden. Doch über die Auslieferung sollte erst noch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entscheiden.

Paul Watson wurde in der Zwischenzeit auf Kaution von 250.000 Euro  und mit Auflagen (natürlich) freigelassen und sollte auf seinen Prozess warten. Am 23 Juli 2012 wartete die Polizei vergeblich auf Paul Watson, der sich jeden Tag bei ihnen melden sollte.

Mittlerweile hat sein Anwalt den Behörden mitgeteilt das er, mit unbekanntem Ziel, das Land verlassen hat.

Wie ich gerade gelesen habe gab es mittlerweile auch einen Auslieferungsantrag von Japan.

Soweit was man in den Nachrichten erfahren kann.  Natürlich wird dazu auch noch die ein oder andere weitere Information dazu gegeben.

Hier möchte ich auch mal ein paar Worte dazu sagen.

Einige haben mit Sicherheit schon festgestellt das ich das Leben Unterwasser liebe. Ich liebe die Natur generell, aber das Leben in den Ozeanen fasziniert mich einfach. Und besonders die größten Bewohner unserer Planeten, Wale.
Ich habe noch nie einen mit eigenen Augen gesehen und dennoch sind sie bereits in meinem Herz. Einer meiner größten Wünsche ist es einmal mit Walen zu tauchen und sie in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben.

Irgendwann bin ich dann auf die Sea Shepherd Conservation Society aufmerksam geworden. Seit dem Zeitpunkt habe ich mich ein wenig intensiver damit beschäftigt, sofern es die Zeit zuließ. Und ich bin schwer beeindruckt von den Leuten.
Warum?

Nun, jeder kennt die großen Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace oder WWF. Sie erzählen laut was sie gern ändern wollen würden und machen Meetings, Protestaktionen, schreiben Briefe zu irgendwelchen Leuten, schreiben große Werbeplakate und so weiter.
Der Unterschied bei der Sea Shepherds Conservation Society ist: Die tun was!

Ich habe sie zufällig gefunden und nie vorher von den Leuten gehört, weil sie nicht unnötig viel Geld in Werbung stecken, sondern das Geld nutzen um was zu ändern.
Sie kaufen z.B. Boote und fahren damit (z.B.) in die Antarktis um dort den Japanischen Walfänger vom Walfang abzuhalten. Der Walfang ist eigentlich, durch Regulierung der IWC, verboten. Aber Japan nutzt eine Grauzone im Gesetz um trotzdem Wale zu jagen, zu töten und zu vermarkten.
Denn es dürfen jedes Jahr 220 Minkewale, 100 Seiwale, 50 Brydewale und 10 Pottwale zu wissenschaftlichen Zwecken getötet werden!
Natürlich wird keine Wissenschaft betrieben, sondern Kommerz. Vielleicht wird festgehalten wie groß die Wale waren, damit man irgendwas wissenschaftliches nachweisen kann, falls jemand fragt.

Jetzt ist man an einem Punkt wo man sagen kann „Ja und… wen interessiert’s?“ oder „Da muss man was gegen machen!“. Nun kann man es dabei belassen und sich sagen „Ja, schlimm und man muss was machen. Aber ich hab gerade keine Zeit dafür.“. Oder man kommt mit „Der Wille zählt ja.“ und das war’s.
Oder man nimmt es in die Hand und macht was. Jetzt kann man auch anfangen mit Briefe schreiben und Plakate hochhalten und Greenpeace beitreten. Oder man entscheidet sich ein Schiff zu kaufen, da hin zu fahren und die Leute vor Ort und Handfest davon abhalten Wale zu töten (oder welches Unrecht an der Natur auch immer verübt wird).

Paul Watson – gebürtiger Kanadier – tat letzteres. Dazu muss man sagen das er einer der ersten Mitglieder von Greenpeace war. Seine Mitgliedsnummer lautete 007 (Zufall? :) ). Damit war er das 8. Mitglied in der Organisation (die erste Mitgliedsnummer ist 000).

1975 waren er und sein Mitstreiter Robert Hunter, die ersten Menschen die ihr Leben zum Schutz der Wale riskierten indem sie sich mit einem Schlauchboot zwischen einen sowjetischen Walfänger und die Wale positionierten.

Watson verließ 1977 Greenpeace und gründete die Sea Shepherd Conservation Society. Die Berichte warum, sind unterschiedlich. Aber ich denke sie laufen alle auf das gleiche hinaus, was für mich durchaus verständlich ist: Greenpeace war ihm einfach zu lasch. Er wollte handeln, nicht quatschen.

Seine eigene Organisation verschrieb sich nun dem Schutz der Meere vor illegalen Handlungen gegenüber der Meeresfauna. Die folgende Geschichte der nun schon 30 Jahre alten Organisation ist lang. Man kann sie detailierter im Internet nachlesen (z.B. bei http://de.wikipedia.org/wiki/Sea_Shepherd_Conservation_Society).

Seid 30 Jahren kämpft er und seine Organisation nun schon gegen das Unrecht auf den Weltmeeren. Und hier kommen wir nun wieder zur Ausgangsfrage:

Ist Paul Watson ein (Öko-)Terrorist?

Ich habe dazu erst einmal geschaut was die Definition von Terrorismus ist.
Wikipedia sagt dazu:

Unter Terrorismus (lateinisch terror „Furcht“, „Schrecken“) sind Gewalt und Gewaltaktionen (wie z. B. Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.) gegen eine politische Ordnung zu verstehen, um einen politischen Wandel herbeizuführen. Der Terror dient als Druckmittel und soll vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreiten oder Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen.
Quelle: Wikipedia

Damit ist Terrorismus (folglich auch Terrorist) ausgeschlossen. Denn die Aktivisten sind nicht mit herkömmlichen Waffen ausgestattet. Auch wird niemand entführt.
Im Gegenteil, sie lassen sich selbst „entführen“ indem sie sich auf die Schiffe der Gegenseite begeben.
Sprengstoff oder scharfe Munition wird auf keinem der Schiffe und von keinem Aktivisten mitgeführt.

Ihre Waffen bestehen aus Stinkbomben, Farbgeschossen (herkömmliche Painballs), Seilen, Wasserwerfern und den Schiffen.

Wer das mal in Aktion sehen möchte, dem empfehle ich wärmstens die Whale Wars Serie von Animal Planet zu gucken. Animal Planet begleitet die Sea Shepherd Kampagnen in der Antarktis nun schon seid 5 Jahren.
Dort unten Kämpfen die Aktivisten aktiv gegen den Walfang durch die Japanische Walfangflotte (wie schon oben beschrieben). Und sie sind dabei teilweise extrem erfolgreich. Im Februar 2011 wurde die Walfangsaison sogar 6 Wochen vor dem eigentlichen Ende abgebrochen.
Das erklärt den Hass von Japan auf die Aktivisten und besonders deren Kapitän Paul Watson.

Sea Shepherd Aktivisten

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Watson)

Doch die Sea Shepherds operieren auch in anderen Teilen der Erde und haben Kampagnen gegen Shark Finning (wobei Haien die Flossen abgeschnitten werden und der Hai (ohne Flossen, aber noch Lebendig) wieder ins Meer zurück geworfen wird), Robbenjagt, Delphinabschlachten und andere Verbrechen an den Meeresbewohnern. Zusätzlich unterstützen sie teilweise Naturschutzgebiete, wie bei den Galapagosinseln.

Das alles freut natürlich die Tierschützer und -freunde. Auf der anderen Seite freut es definitiv NICHT die Wilderer die sie stören, vertreiben und komplett lahm legen.
Und wer wissendlich das Gesetz bricht oder Schlupflöcher sucht, der hat definitiv ein gewisses Aggressionspotential. Der kleine Fischer wir sich einfach nur blau ärgern, wenn er von den Aktivisten vertrieben wird. Was will er mehr machen?

Aber wenn der gestörte Sünder „größer“ ist, dann ist auch die Macht größer.

Zum Beispiel „störten“ sie Fischer vor den Kokosinseln beim wildern und illegalem Fischen. Wie sich herausstellte arbeiteten die Fischer für einen korrupten Marinegeneral aus Ecuador. Der fing die Sea Shepherds mit einem Kanonenboot ab und wollte Paul Watson dafür festnehmen lassen, das er seine Wilderei gestört hatte.
Zu Watsons Glück kamen Einheimische, die von der Aktion gehört hatten und davon begeistert waren, auch schnell auf die Bildfläche und damit auch Reporter. Da das Gesetz auf Watson’s Seite war, schlichen sich die Marineoffiziere davon (ohne Watson mitzunehmen).

Es hätte aber auch anders ausgehen können. Sie hätten die Schiffe der Aktivisten auch einfach versenken können. Was sie wahrscheinlich nicht taten da die Aktivisten nicht unter Ecuadorianischer Flagge fuhren und es viele Fragen gegeben hätte, die die Wilderer nicht hätten beantworten können.

Und dann gibt es da auch noch den Walfang der Japaner. Hier legt sich die Sea Shepherd nicht nur mit einer Walfangorganisation an. Dahinter steht auch Japan selbst. Was sie nun im letzten Jahr bewiesen haben, als der Staat Japan den Walfängern über 20 Millionen Dollar spendeten. Welche auch in Sicherheitsmaßnahmen gesteckt wurden. (Das Geld kam übrigens aus dem Tsunami-Hilfsspenden Topf!!!).
Das Schiff der Walfangflotte welches für die Sicherheit zuständig war, wurde von nun an als Regierungsschiff registriert und gehört nicht mehr zur Walfangflotte, sondern zur Regierung von Japan.
Das zeigt deutlich das die Regierung von Japan selbst am Walfang beteiligt ist.

Und dann gibt es da noch die Regierung von Costa Rica. Hier ist Paul Watson 2002 gegen das  Shark Finning vorgegangen und hat den Fischern das Handwerk gelegt. Costa Rica ließ ihn daraufhin verhaften. Mit der Anklage von „Behinderung der Schifffahrt“. Vor Gericht konnten aber alle Anschuldigungen mit Videos wiederlegt werden und Paul Watson kam wieder frei.
Nun, 10 Jahre später, wurde der Haftbefehl gegen ihn wieder aufgenommen.

Selbst Interpol hat die Empfehlung herausgegeben das man Paul Watson nicht verhaften sollte, da politische Motive hinter dem Haftbefehl vermutet werden. Daher wurde auch kein internationaler Haftbefehl von Interpol herausgegeben.
Wie gesagt hat Paul Watson in den 30 Jahren nicht nur Freunde gemacht. Und viele seiner Feinde sind mächtig und wollen ihm nicht unbedingt gutes, wenn man betrachtet das er vielen Leuten Millionengeschäfte versaut hat. Und bei Geld hört bekanntlich der Spaß auf (insbesondere bei kriminellen Machenschaften).

Und natürlich wehren sich die Attentäter auch dagegen. Einmal wurde sogar scharf auf Paul Watson geschossen. Zum Glück passierte ihm dabei nichts.

 

Nun landete Paul Watson am 13 Mai 2012 am Flughafen von Frankfurt am Main und wurde prompt von den deutschen Behörden festgenommen. Warum die deutschen Behörden dies getan haben weiß wohl niemand so wirklich. Wie gesagt, es gab keinen internationalen Haftbefehl und Deutschland hat kein Auslieferungsvertrag mit Costa Rica.

Paul Watson wurde am 21 Mai 2012 gegen eine Kaution von 250.000 Euro erst einmal wieder freigelassen. Mit der Auflage sich täglich beim zuständigen Polizeirevier zu melden.
Am 23 Juli 2012 tat er dies nicht mehr. Er hat Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit verlassen.

Warum er diesen Schritt gegangen ist, das weiß noch niemand genau. Aber ich denke er wird seine Gründe haben.

Ein Grund könnte sein das nun auch Japan einen Auslieferungsantrag gestellt hat. Die Wahrscheinlichkeit nicht nach Costa Rica ausgeliefert zu werden war recht groß. Da Deutschland kein Auslieferungsvertrag mit Costa Rica hat und Politische Hintergründe für den Haftbefehl sehr nahe liegen. Doch wenn Japan auch einen Auslieferungsantrag gestellt hat, dann wäre diesem viel eher Stattgegeben worden. Und in Japan ist Paul Watson auch kein gern gesehener Mann. Ich bin überzeugt das er Japan (genauso wie Costa Rica) nicht wieder Lebend verlassen hätte. Wie heißt es, „Wer etwas will, der findet Wege!“.

 

Ich denke juristisch war es mit Sicherheit keine gute Idee. Wer schon einmal vor einer Strafe davongelaufen ist, der weiß das man damit kein Vertrauen schafft. Und eigentlich denke ich das er immer versucht so Gesetzeskonform zu handeln, wie möglich. Er ist kein Terrorist. Meist setzt er sogar einfach nur Gesetze durch, die eigentlich existieren, wo sich nur niemand darum kümmert ob sie eingehalten werden oder nicht.

Ich denke er wird einen guten Grund haben um es sich nun mit der deutschen Justiz zu verscherzen.
Wobei in meinem Kopf noch immer die Frage ist WARUM Deutschland ihn überhaupt verhaftet hat.

Paul Watson (und alle anderen der Sea Shepherd Aktivisten) ist einer der wenigen Menschen auf dieser Erde der sich aktiv und mit großem Erfolg gegen Umweltsünder stellt. Er hat sich eine kleine Flotte aufgebaut, mit Hilfe von Unterstützern und fährt damit rund um den Globus um gegen das Unrecht gegen die Meere zu kämpfen… und ist damit erfolgreicher als die meisten anderen Organisationen (vielleicht der Erfolgreichste)!
Bei den Aktionen bricht er keine größeren Gesetze, es werden keine Waffen eingesetzt die zur Kriegsführung dienen (Wasser, Stinkbomben und Farbe kann man ja nicht wirklich als Waffen bezeichnen).

Und dabei hält er sich auch noch weitgehend an das Gesetz. Er spielt ja kein Schiffe versenken oder tötet Menschen. (Wenn ich mir ansehe wie brutal und ohne schlechtes Gewissen manche Menschen Tiere töten… dann würde ich vielleicht ganz anders handeln.)

Es ist mir absolut unverständlich wie die deutsche Justiz (und nicht zuletzt steht dahinter auch die Regierung) einen solchen Mann verhaften kann. Das Deutschland das engstirnigste Land auf diesem Planeten ist, das wissen wir alle. Aber was bitte ist die Begründung solch einen Mann festzunehmen, wenn sogar Interpol davon abrät dem Haftbefehl von Costa Rica zu folgen, da dieser auf politischen Hintergründen basiert?

Ich hoffe das die deutschen Behörden ihren Fehler einsehen und den Haftbefehl gegen Paul Watson fallen lassen – für immer und trotz seiner Flucht. Denn dieser Mann nimmt etwas in die Hand was eigentlich alle wollen, nur niemand tut.
Er versucht (meist erfolgreich) unsere Natur zu bewahren. Dank Leuten wie ihm haben unsere Nachfahren vielleicht noch die Möglichkeit einen Wal oder Robben oder Delphine (oder oder oder) in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen.
Nicht nur auf Bildern, in Videos oder irgendwelchen Aquarien.

Ich glaube das, wenn niemand (aktiv!) dagegen vorgeht, viele wundervolle Geschöpfe in den nächsten Jahren von unserem Planeten verschwunden sein werden. Und ich rede nicht von „in 50 Jahren“ oder „in 20 Jahren“… ich meine in den nächsten 5 bis 10 Jahren.
Viele davon wahrscheinlich grausam abgeschlachtet… aus Profitgier.

Apropos… wusstest Du das Wal- wie auch Delphinfleisch hochgiftig ist? Scheißegal, wird trotzdem gejagt, getötet und gegessen. Ein Wal bringt bis zu 1 Million Dollar!

Wale sind die größten Kreaturen auf unserem Planeten und für mich die Faszinierendsten.

Die Menschen stellen sich immer größere Armutszeugnisse aus. Ob es nun Deutschland ist oder Japan oder der Rest der Welt.
Mich macht das ganze unendlich traurig und wütend…

Hier noch ein Video zur Sea Shepherd und Paul Watson, für alle die mehr erfahren wollen:

Aussterben ist für immer!

Mein Respekt für alle die Aufstehen und etwas tun! See you hopefully soon.

PS: Falls das jemand von Sea Shepherd liest… Antwortet mir mal bitte auf meine eMail. :)

Quellen:

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