Pelorus Jack – Ein Held den kaum jemand kennt

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Pelorus Jack… hast Du den Namen schon mal gehört? Nein? Ich bis eben auch nicht.

Pelorus Jack war ein Held. Und ein ganz besonderer dazu.

Es war Ende des 19. Jahrhunderts in Neuseeland.  Die Dampfer wühlten sich ihren Weg durch das Meer. Gerade in Neuseeland gibt es hier eine sehr gefährliche Stelle, die Cook-Straße. Es ist die Meerenge zwischen der Nord- und der Südinsel Neuseelands und eine der stürmischsten Meeresstraßen der Welt.
In der Meerenge haben die Schiffe mit Untiefen, tückischen Strömungen, Unterwasserfelsen und wilden Wasserwirbeln zu kämpfen und nicht wenige hat das Meer in dieser Region schon verschluckt. Die Meerenge war in dieser Zeit von den Seefahrern gefürchtet, nicht ohne Grund, wie gerade erwähnt. Aber es war die kürzeste Verbindung um zwischen den Inseln durchzukommen. Besonders zwischen Wellington und Nelson.

Doch dann, im Jahre 1888, tauchte Pelorus Jack auf. Weder über seine vorherige Geschichte noch über sein alter lässt sich etwas finden. Aber dafür über seine Taten. Denn kein Schiff das er begleitete hat jemals einen Schaden erlitten. Er wurde schnell bekannt bei den Seefahrern und den lokalen Menschen. Er wurde zum Schutzpatron und am Strand von Wellington steht nun sogar eine Statue mit den Aufzählungen von Jacks ungeheuren Leistungen.

Das klingt jetzt alles noch nicht so richtig spannend? Das liegt daran das ich mir das beste bis jetzt aufgehoben habe… Pelorus Jack war ein Delfin! … Korrekt, ein Delfin! Genauer gesagt ein ca. 4 Meter großer Rundkopfdelfin. Er war weiß mit grauen Streifen und einem runden, weißen Kopf. Diese Spezies kommt eigentlich dort gar nicht vor und es wurden nur 12 überhaupt davon dort gesichtet.

Pelorus Jack – (c) Wikipedia

Er tauchte das erste mal 1888 auf und begleitete den Schoner Brindle, der gerade den French Pass durchquerte. Seitdem wurde er immer öfter gesehen und er begleitete die Schiffe für eine weile… meist um die 20 Minuten. Wie schon erwähnt passierte keine Schiff etwas bei dem er anwesend war.
Leider kann ich keinen Hinweis darauf finden ob die Kapitäne sich vom Delfin navigieren ließen oder nicht. Wenn nicht, dann könnte man auch von einem einzigen riesen Zufall ausgehen das nie etwas passiert. Sollten die Kapitäne dem Delphin jedoch gefolgt sein, dann wäre das etwas für das ich gerade keine Worte finde. Hilfeleistung, Nächstenliebe, Freundschaft  oder unbeschreibliche Zusammenarbeit wären die ersten Worte die mir in den Sinn kommen würden. Falls jemand dazu Informationen hat, bitte mal unten in den Kommentaren posten.

Wie dem auch sei, Pelorus Jack wurde ein Teil der Neuseeländischen Schifffahrt. Die Seeleute warteten teilweise sogar auf den Delphin, das er sie begleitete und beschützte.

1903 begleitete Jack den Passagierdampfer Penguin (s.o.), als ein betrunkener Passier mit einem Gewehr auf den Delphin schoss und ihn an der Rückenflosse verletzte. Die Mannschaft des Dampfers musste mit Gewalt daran gehindert werden den Schützen zu lynchen.
Man befürchtete das Jack getötet wurde, als sich dieser zwei Wochen nicht zeigte. Glücklicherweise erholte er sich wieder. Doch den Dampfer Penguin begleitete er nie wieder. Der Dampfer sank am 12. Februar 1909, nachdem er auf einen Unterwasserfelsen aufgelaufen war. 72 Passagiere ließen ihr Leben und es war damit das schwerste Schiffsunglück Neuseelands im 20. Jahrhundert.

Nach dem Attentat auf Jack wurde am 26. September 1904 der Sea Fisheries Act erlassen. Dieser stellte Pelorus Jack unter Schutz. Damit dürfte dies das erste Lebewesen des Ozeans gewesen sein das per Gesetz geschützt wurde.
Jack führte die Schiffe noch einige Jahre durch die Cook-Straße. Bis er 1912 das letzte mal ein Schiff auf seiner Reise begleitete. Danach trat er seine eigene Reise an… wohin auch immer sie führte.

Neben dem Monument am Wellington Beach wurde ein Schottischer Nationaltanz nach Pelorus Jack genannt und die Schifffahrtsfirma Interislander hat ihn als Logo – in Andenken an den Delfin.

Ich schreibe über diese Geschichte weil ich denke das sie kaum jemand kennt… und das ist wirklich eine Schande! Jetzt kennen Sie vielleicht ein paar mehr… auch wenn nicht allzuviele meinen Blog lesen. Deswegen würde ich mich freuen wenn ihr oben auf das Facebook-Like klickt oder bei Twitter postet… damit mehr Leute von Jack erfahren und von seiner großartigen Geschichte. Wobei für mich weniger die Tatsache zählt das der den Schiffen selbst beigestanden hat sonders vielmehr die Tatsache DAS er es getan hat. Warum hat er es getan? War er einsam und hat nach Freunden gesucht? Oder mochte er die Schiffe so sehr das er einfach gern bei ihnen war? Oder war er doch so intelligent das er genau wusste wie gefährlich diese Meerstraße für die Menschen war? Vergessen wir nicht das ein Delfin ein größeres Gehirn hat als der Mensch! Sie könnten mitnichten mehr intelligent besitzen als wir glauben wollen.
Diese Fragen wird mir wohl niemand mehr beantworten können… es sei denn Jack ist 150 Jahre alt. Aber vielleicht können wir bald mal aufhören die Delfine zu jagen und uns stattdessen daran machen mit ihnen Freundschaft zu schließen und sie versuchen zu verstehen (ohne sie aufzuschneiden).

Das ist ein gutes Stichwort zum Abschluss. Danke an Hans Peter, der mich überhaupt erst auf Jack aufmerksam gemacht hat und der gerade in Taiji (Japan) ist um für die Delfine zu kämpfen die dort jährlich gefangen und abgeschlachtet werden. Außer denen die das „Glück“ haben in einen Zoo deportiert zu werden damit sich die Menschheit an ihnen „erfreuen“ kann.
Auch möchte ich Neuseeland danken dafür das sie damals den Sea Fisheries Act erlassen haben um diesen Helden zu schützen.

Viele Grüße
Gordon

PS: Ich habe gerade erfahren das es sogar ein kurzes Video von Jack gibt

Quellen:
Tagebuch(t) Taiji von Hans Peter Roth für OceanCare
http://de.wikipedia.org/wiki/Pelorus_Jack
Titelbild oben

1 Antwort
  1. Christiane
    Christiane says:

    Eine grandiose Geschichte, die weiter beweist, welch ungewöhnliche Geschöpfe die Delfine sind und gleichzeitig offenbart welch grausames Verbrechen der Mensch an ihnen ausübt. Man kann Dir und Hans Peter wirklich nur danken für die großartige Information.

    Antworten

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